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Aus den GemeindenSinghofen

Vor 80 Jahren – Singhofen im März 1945

by admwilli April 23, 2025
April 23, 2025
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Singhofen. Bereits seit 1939 waren im Wechsel Angehörige verschiedener Truppenteile der deutschen Wehrmacht bei Familien in Singhofen einquartiert. Sie dienten zunächst zum Austausch kämpfender Fronteinheiten und letztlich zur Verteidigung einer eventuell entstehenden Westfront, die Ende März auch Realität wurde. Um den 20. März 1945 besetzten Reste der 276. Volksgrenadier-Division die Höhen östlich des Mühlbachtales und unterstützten die bereits in Singhofen eingesetzte Flak-Kampftruppe, hinzu kamen Teile der in Bergnassau stationierten 1. Flak-Abteilung.

In der Nacht vom 25. zum 26. März schlugen in Dornholzhausen die ersten Granaten ein. Die dort einquartierten deutschen Soldaten hatten sich schon durch das Mühlbachtal nach Singhofen zurückgezogen. Von hier aus konnte gegen 11.30 Uhr des 26. März am östlichen Ortsrand von Dornholzhausen das Anrücken amerikanischer Panzer beobachtet werden, die sogleich unter Artilleriebeschuß genommen wurden. Hierbei wurde ein Panzer im Steinbruch Dornholzhausen abgeschossen. Es entwickelte sich in der Folge ein heftiger Kampf, der bis in die Abendstunden andauerte. Granaten der amerikanischen Panzer reichten zunächst nicht bis Singhofen, sie schlugen im oberen Hangbereich vor den Wacken ein (Einschlagstellen sind dort noch heute zu erkennen). Schließlich wurde das 8,8 Flak-Geschütz, das am Windrad positioniert war durch Panzerbeschuß zerstört.

Wilhelm Schmitt, seinerzeit stellvertretender Bürgemeister, gest. am 30.12.1967

Überliefert ist ferner, dass der Kommandant der in Singhofen stationierten Einheiten fest entschlossen gewesen sei, bis zur „letzten Patrone“ zu kämpfen. Dem damals stellvertretenden Ortsbürgermeister Wilhelm Schmitt gelang es jedoch, den Kommandanten zu überzeugen, dass weiteres „Blutvergießen“ zu verhindern sei. Bis auf eine sog. Nachtruppe wurden Reste der deutschen Truppen in der Nacht zum 27. März zur Stellungslinie Steinsberg/Katzenelnbogen mit dem Befehl abkommandiert, diese zu halten. Vor ihrem Abrücken wurde ein mit Munition beladenes Militärfahrzeug, das in der Scheune Knecht/Gemmer abgestellt war, gesprengt, damit es den Feinden nicht in die Hände fallen sollte. Alles Bitten der Anwohner das Fahrzeug doch auf dem freien Feld zu sprengen, schlug der Kommandant ab. Die Anwesen Knecht und Gemmer (Wohnhaus, Stallungen mit dem Vieh und Scheunen) brannten dadurch vollkommen nieder. Nur unter lebensgefährlichem Einsatz einiger Nachbarn konnte ein Übergreifen des Feuers auf Nachbargebäude verhindert werden. (Die gefährlichen Hinterlassenschaften dieser Sprengung sorgten für einen Einsatz des Kampfmittelräumdienstes im April 2024, als mehrere Panzergranaten bei Tiefbauarbeiten für den Glasfaseranschluss gefunden wurden. Sie mussten außerhalb von Singhofen gesprengt werden. Einen Artikel dazu gibt es auf 56aktuell.de: Singhofen: Panzergranaten im Glasfasergraben – sofortige Sprengung mit Hindernissen )

In dieser Nacht rückten Angehörige des VIII. US-Korps durch das Mühlbachtal nach Singhofen vor. Von einem amerikanischen Soldaten wurden mit vorgehaltener Waffe weitere Helfer zur Brandlöschung zurückgehalten. Hierbei wurde der 51-jährige Philipp Wilhelm Clos (Vater von „Häusjes“ Wilfried) von hinten erschossen, da er den Rufen eines amerikanischen Soldaten stehenzubleiben nicht Foge leistete. Er wollte sich in das Silo in Schmidts Garten, in dem schon einige Oberdörfer Schutz suchten, in Sicherheit bringen. Schwerverletzt wurde er in das Lazarett der Heime Scheuern verbracht und verstarb noch in der selben Nacht. Ohne Identifikation wurde er sofort auf dem dortigen Friedhof bestattet. In Singhofen längst vermißt, wurde er bei Tagesanbruch vergebens gesucht. Tage später erfuhr man, dass die Amerikaner einen verwundeten Mann nach Scheuern transportiert hätten, der bereits bestattet worden sei. Bei der anschließenden Exhumierung konnte er identifiziert und auf dem Friedhof Singhofen erneut beigesetzt werden.

Einige deutsche Soldaten der verbliebenen Nachtruppe wurden in Kellern und den angelegten Splitterbunkern versteckt, die bei der Durchsuchung und durch Verrat eines polnischen Fremdarbeiters in amerikanische Kriegsgefangenschaft gerieten. Geplündert wurden von den Amerikanern auch die Weinvorräte, dessen Wirkung sie wohl unterschätzten, die Kontrolle über sich verloren und sinnlos umherschossen. So erschoß ein Soldat den bellenden Hund von Heimanns in der Eck durch die Haustür. Doch leider endete dieser Rausch mit einer tragischen Begebenheit, „einem Mord“. Ein verwundeter deutscher Soldat, der auf seinen Abtransport zum Lazarett nach Scheuern wartend auf der Eingangstreppe des Gasthauses „Alte Post“ saß, wurde von einem amerikanischen Soldaten mit vorgehaltenem Gewehr und ständigen Kolbenschlägen durch das Oberdorf „getrieben“. Vor dem Haus von Stocks wurde er aus Übermut erschossen. Der Großvater von Ulrich Münch wollte dieses Verbrechen noch verhindern und riskierte dabei sein eigenes Leben. Am Folgetag wurde der amerikanische Soldat von der Militärpolizei abgeholt. Ein von Christian Moll und Wilhelm Hemmelmann unweit des Hofes Bubenborn gefundener toter deutscher Soldat des nächtlichen Schußwechsels, ein weiterer im Oberdorf und der Ermordete wurden auf dem Friedhof bestattet, deren Grabsteine noch heute an dieses Geschehen erinnern.

Ein nicht weniger tragisches Ereignis erfuhr Philipp Heinrich Klump. Getreu dem Volkslied: „Im Märzen der Bauer sein Rösslein einspannt …“ bereitete er am 27. März „am langen Weg“, unweit des Friedhofes, einen Acker für die Frühjahrssaat vor, während der Vormarsch amerikanischer Truppen ständig von Jagdflugzeugen begleitet wurde. Dies veranlasste einen Bordschützen auf Heinrich Klump und sein Pferd zu schießen. Schwerverletzt konnte er nach Hause gebracht und ärztlich versorgt werden. Am 30. März erlag er seinen Verletzungen. Das getötete Pferd wurde an Ort und Stelle vergraben.

Aber es gibt auch eine Kehrseite dieser Medaille: Trotz des verbotenen „Schwarzschlachtens“ wurde in der Scheune von „Lisse im Bornweg“ wenige Tage später ein Kälbchen geschlachtet. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt fuhr ein amerikanisches Militätfahrzeug am Haus vor. Gefolgt von einer größeren Einwohnerschar stieg ein Offizier aus, die sich allesamt in Lisses Hof drängten. „Bassets Irma“ glaubte, dass ihr der Atem ins Stocken geriet, bis sie den amerikanischen Gast erkannte. Es war „Mühlsteins Erich“ der Sohn einer Singhofener jüdischen Familie, die am 8. April 1938 nach Amerika auswanderte. Er war der Abschnittskommandant im Großbereich Nastätten. Als „Singhofener Bub“ wollte er seinen alten Freund „Lisse Kilian“ besuchen. Unter Verschweigen der „kostbaren Ware“ in der Scheune, waren die Begrüßung und das Wiedersehen mehr als herzlich.

In der Folgezeit übernahm die französische Besatzungsbehörde die Verwaltung unserer Heimat. Das zuvor Geschilderte stammt aus überlieferten Erinnerungen von Zeitzeugen.

Quellen: Singhofen um die Stunde Null (Schrift des Heimatvereins e. V. Singhofen) und Chronik von Dornholzhausen (Walter Singhof).

Bildunterschrift Titelbild: Links im Bild die Trümmer der Anwesen Knecht und Gemmer mit der Giebelwand der Scheune Gemmer im Jahr 1950. Zum Sportplatz marschiert die Singhofener Fußballmannschaft zum ersten Nachkriegsspiel. An deren Spitze Mitglieder der „Kapelle Melodia“ mit Erhard Heinz, Karl Gottschalk und Richard Heinz.

 

 

 

 

 

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