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Aus den GemeindenAus der RedaktionStadt Nassau

Erinnern an die Toten als Zeichen für Frieden

Frieden ist auch in Europa nicht selbstverständlich

by admwilli November 18, 2025
November 18, 2025
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Nassau. Von Achim Steinhäuser. Die Bedeutung des Volkstrauertages ist vielen Menschen fern und sollte in diesen Zeiten doch so nah sein. Denn Frieden ist nicht selbstverständlich, sondern aktueller denn je. Das haben wir nicht zuletzt durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und den bewaffneten Konflikt im Nahen Osten erfahren, welche tagtäglich Menschenleben fordert.

Anlässlich des diesjährigen Volkstrauertages am 16. November wurde auch auf dem Nassauer Friedhof an all der Menschen gedacht, die bei Kriegen und Gewaltherrschaft ihr Leben verloren haben. Mit diesem Gedenktag möchte man ein Zeichen für den Frieden heute und morgen setzen. Denn hinter jedem Opfer steckt ein individuelles, ganz persönliches Schicksal, welches für Soldatinnen und Soldaten genauso wie für Zivilistinnen und Zivilisten gilt. Denn Kriege zerstören Lebensläufe, reißen Familien auseinander, zerstören Kulturgüter und hinterlassen überall verbrannte Erde. Sich daran zu erinnern, ist in unserer heutigen Zeit noch wichtiger als gestern.

Der Erste Weltkrieg liegt bereits 107 Jahre zurück, der Zweite auch schon 80 Jahre. Ist da der alljährliche Volkstrauertag noch zeitgemäß? „Ja“, denn das Erinnern ist wichtig. Auch wenn die Gesichter der Opfer keiner mehr kennt, die Erinnerung längst verblasst und man nur ihre Namen, sowie das Datum geblieben ist. So gedachte man auch in diesem Jahr wieder am Ehrenmal auf dem Nassauer Friedhof der Opfer aller Kriege und jeglicher Gewaltherrschaft über Grenzen der Völker hinweg feierlich und besinnlich.

Rund 17 Millionen Menschenleben forderte der Erste Weltkrieg, der von 1914 bis 1918 in Europa, dem Nahen Osten, in Afrika, Ostasien und auf den Weltmeeren geführt wurde. Weit mehr Opfer kostete der Zweite Weltkrieg von 1939 bis 1945, nämlich schätzungsweise 64 Millionen Menschen, darunter 24 Millionen Soldaten und 40 Millionen Zivilisten. Eine verheerende Bilanz und doch scheinen es in der heutigen Zeit manchmal nur noch Zahlen zu sein, die ohne Erinnerungen und Bedeutung sind.

Vielen Menschen, vor allem der jüngeren Generation, fällt es Jahrzehnten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland schwer, sich zu erinnern oder damit auseinander zu setzen. Somit stellt sich die Frage, welche Bedeutung hat in unserem Jahrhundert der Volkstrauertag noch? Die Erinnerung, die eine moralische Verpflichtung gegenüber den Toten der Vergangenheit, aber auch gegenüber den künftigen Generationen ist, soll helfen, aus dem Vergangenen Lehre zu ziehen. Daher ist der Volkstrauertag ein ganz wichtiger Tag, denn er soll an Gewalt, Kriege, Unrecht und Unmenschlichkeit, welche viele Facetten hat, erinnern.

Angesichts täglicher Nachrichten von den Kriegsschauplätzen auf unserem Planeten muss man sagen, der Volkstrauertag ist nicht vergangenheitsorientiert, sondern tagesaktuell. Die Zahl derer, die den Krieg miterleben mussten, geht immer mehr zurück. Daher ist es wichtig, die Erinnerung an das Geschehene bei der jüngeren Generation wach zu halten, denn Krieg und Terrorismus ist leider traurige Realität in vielen Gegenden der Erde. Um aber Krieg und Terror zu beenden, muss man versuchen den Frieden zu sichern und sich für ihn einsetzen. Daher brauchen wir den Volkstrauertag, allein schon aus Respekt vor den rund 120 Millionen Toten beider Weltkriege, Abermillionen Verwundete, Flüchtlinge, Ausgebombte, unzählige auseinandergerissene Familien und verwaiste Kinder, all dies verdeutlicht einem, wie wichtig es ist, nicht zu vergessen.

Stadtbürgermeister Manuel Liguori, der die zentrale Gedenkfeier in diesem Jahr auf dem Nassauer Friedhof begleitete, sprach bei seiner Rede davon, dass der Volkstrauertag nicht einfach nur ein Gedenktag ist, sondern auch ein Aufruf an uns alle, unsere Vergangenheit nicht zu vergessen und daraus Verantwortung für die Gegenwart und die Zukunft abzuleiten. Wie das Stadtoberhaupt weitersagte, würde unser Gedenken nicht in der Vergangenheit enden, sondern auch heute, 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, sind Krieg, Gewalt und Unmenschlichkeit keine Relikte vergangener Zeiten.

Gerade jetzt erlebe man, wie Konflikte auf der Welt Menschen in Leid und Not stürzen. Sei es durch Kriege, die nach wie vorgeführt werden, sei es durch Terror, Unterdrückung oder durch ideologische Gräben, die Völker entzweien. Die Bilder von Flüchtlingsströmen, zerstörten Städten und verzweifelten Menschen würden uns täglich in den Nachrichten erreichen. Diese erschütternden Szenen machen deutlich, dass die Lehren aus der Vergangenheit noch nicht überall gezogen wurden. Der Frieden, den wir seit Jahrzehnten genießen, dürfe uns nicht dazu verleiten, unsere Verantwortung für eine gerechte und friedliche Welt zu vergessen.

Weiter sagte Liguori, man wisse, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist, sondern ein kostbares Gut, um das jeden Tag aufs Neue gerungen werden muss. Frieden beginnt nicht in den großen politischen Institutionen – er beginne in unseren Familien, in unseren Freundeskreisen, in unseren Gemeinden. Es beginnt damit, dass wir einander zuhören, dass wir Unterschiede akzeptieren und dass wir einander mit Würde und Respekt begegnen. Frieden bedeute aber auch, Verantwortung über unsere Grenzen hinaus zu übernehmen. Unsere demokratischen Werte, unsere Freiheit, unser Rechtssystem – all das seien Errungenschaften, die nur Bestand hätten, wenn man sie bewahren und für andere zugänglich machen würden. Liguori sprach weiter, dass wir heute am Volkstrauertag, der Opfer von Krieg und Gewalt gedenken. Um sie trauern und ihr Andenken ehren. Doch soll dieser Tag uns auch Hoffnung geben. Hoffnung darauf, dass wir aus der Vergangenheit lernen können. Hoffnung darauf, dass es uns gelingt, die Welt zu einem Ort des Friedens und der Gerechtigkeit zu machen.

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